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  • Claudia Brühwiler

Arbeit für alle: Dock Gruppe AG

In seinem Vortrag vom 15. Oktober berichtete Christoph Merz, heute Teil der Geschäftsleitung der Dock Gruppe AG, wie die wohl bekannteste Sozialunternehmung der Ostschweiz jenen Menschen neue Aussichten bietet, die vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen schienen.


CEO Daniela Merz zum Potential von Sozialfirmen

Der Umgang mit Langzeitarbeitslosigkeit gehört zu jenen Bereichen, in denen soziale Innovationen gefragt sind. Die Abhängigkeit von behördlicher Unterstützung untergräbt das Selbstwertgefühl der Hilfsempfänger, mit jedem Beitragsjahr sinkt die Wahrscheinlichkeit, den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben doch noch zu schaffen. 1997 erkannten in St.Gallen die Stadt, der Gewerbeverband, der Gewerkschaftsbund sowie die beiden Landeskirchen, dass Langzeitarbeitslosen neue Perspektiven zu bieten sind. Mit der Stiftung für Arbeit riefen sie eine Anlaufstelle für jene ins Leben, die unter Beweis stellen wollten, dass sie nach wie vor leistungsfähig und -bereit sind. So wurden tageweise Arbeiten im Tagelohn vergeben, wobei es sich mehrheitlich um betreuungsintensive Gewerbearbeiten handelte. Schnell fassten die Initianten den Plan, beständigere Arbeitsverhältnisse anbieten zu wollen, die auch bezüglich der Kosten kompetitiv wären.


Mit Dock St.Gallen entstand ein Unternehmen, das industrielle Arbeiten übernehmen konnte, die auf dem primären Arbeitsmarkt nicht mehr in der Schweiz erbracht werden können. Heute existieren unter dem Dach der Dock Gruppe AG 10 Docks mit vier Aussenstandorten, die sich direkt bei den Auftragsgebern befinden. Die Gruppe bietet 1400 vormals Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit, einer regulären Tätigkeit nachzugehen. Zusätzlich will die Gruppe für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene im Kanton St.Gallen 100 Arbeitsplätze schaffen, verbunden mit einem Ausbildungsprogramm.


Die Gruppe hat heute 250 Zuweiser und erfüllt Aufträge für die Industrie, aber auch Gewerbearbeiten gehören zum Portfolio sowie der Betrieb von zwei Brockenhäusern. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen im Bereich des Recyclings, in dem sie zum grössten Recyclingverarbeiter von Elektronikgeräten herangewachsen ist. Auch Näharbeiten sind gefragt, so darf Dock Luzern jeweils Stoffhüte für das Schwing- und Älplerfest liefern und anspruchsvolle Kunden beliefern. In allen Bereichen gilt, dass man höchsten Qualitätsanforderungen entsprechen will.


«Wir wollen den Menschen eine reelle Arbeit geben,» erklärt Christoph Widmer das zentrale Ziel der Dock Gruppe. Dies bedeute auch, dass man gute Arbeit erwarte. Natürlich wendeten sich viele Kunden auch an die Dock Gruppe, weil man deren Leitideen unterstützen und einen sozialen Beitrag leisten wolle. Am Ende des Tages seien aber wirtschaftliche Fragen und Qualitätsaspekte entscheidend. So sei für sie klar: «Wir packen unsere Mitarbeiter nicht in Watte.» Man wolle den Arbeitnehmenden ein neues soziales Umfeld bieten, ihnen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zurückgeben, sie fordern und fördern – erwartet werde im Gegenzug die Bereitschaft, sich zu engagieren. Einigen der Mitarbeitenden gelinge sogar der Übertritt in den primären Arbeitsmarkt – die Integrationsquote liege bei 10 bis 20 Prozent.

Für die Zukunft will die Dock Gruppe gewisse Tätigkeitsfelder ausbauen, so beispielsweise im Bereich Textiles, und grundsätzlich stetig das Kundennetz ausbauen. Dabei ist stets darauf zu achten, dass der primäre Arbeitsmarkt nicht konkurrenziert werde – die Dock Gruppe will ein fairer Wettbewerber sein. Allerdings sei man sich im Klaren, dass es auch im sekundären Arbeitsmarkt zu Veränderungen kommen werde, zumal die Zahl an Anbietern steige. Es bleiben frische Ideen gefragt – und jener Geist, den die Dock Gruppe AG bisher so erfolgreich gemacht hat.

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