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  • Claudia Brühwiler

Volker Then: Soziale Innovation im Dienste des Gemeinwohls

Wir endeten unsere Vorlesungsreihe zu sozialer Innovation am 22. Oktober mit einem Vortrag von Dr. Volker Then, einem der Gründer und heute geschäftsführender Direktor des CSI Heidelberg. Bereits bei der Eröffnung des CSI sorgte dieses für Schlagzeilen: Hinter CSI steht das «Centrum für Soziale Investitionen und Innovationen», was Journalisten dazu veranlasste, hinter der neuen Institutionen einen «Hort des amerikanischen Philanthro-Kapitalismus» zu vermuten. Heute wird das Centrum vielmehr als eine der wichtigsten Forschungsstätten im deutschsprachigen Raum wahrgenommen, die sich im Bereich sozialer Innovation einen Namen gemacht hat.



Im Fokus des CSI steht das Gemeinwohl und die Frage, wer aus welchen Beweggründen in das Gemeinwohl investiert und wie es zu sozialen Innovationen kommt. Dabei bewegt sich die Forschung im Dreieck der Sektoren und deren unterschiedlichen Logiken, d.h. zwischen Markt, Staat und der Familie respektive Gemeinschaften – im Innern des Dreiecks liegt die Zivilgesellschaft. Wenn wir für das Gemeinwohl arbeiten, so die Überzeugung des CSI, dann geht es nicht ohne die Zivilgesellschaft: Ein gesellschaftliches Problem beginnt meist in der Lebenswirklichkeit der Menschen. Der Lösungsprozess kann von jedem der Sektoren ausgehen, sei es, dass eine Marktlösung gefunden wird, sei es, dass in der politischen Auseinandersetzung neue Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die tatsächliche Akzeptanz und Durchsetzung der Lösung bedarf indessen des Engagements der Zivilgesellschaft.


Entsprechend entwickelten die Forscher des CSI mit ihren Partnern im Verbund des EU-Projekts TEPSIE folgende Definition sozialer Innovation:

“Social innovations are new solutions (products, services, models, markets, processes etc.) that simultaneously meet a social need (more effectively than existing solutions) and lead to new or improved capabilities and relationships and better use of assets and resources. In other words, social innovations are both good for society and enhance society’s capacity to act.” (Young Foundation 2012)

Soziale Innovationen umfassen Produkte, Dienstleistungen, aber auch Modelle oder Lösungsprozesse. Deren Entwicklung und Akzeptanz setzt voraus, dass ein gesellschaftliches Bedürfnis besteht, über dessen Dringlichkeit man sich einig und dessen Legitimität anerkannt wird – Beispiele wie der soziale Wohnungsbau oder die öffentliche Wasserversorgung verdeutlichen dies. Anders als im betriebswirtschaftlichen Kontext kann sich eine Lösung nur verbreiten, wenn Markt, Politik und Gesellschaft zusammenarbeiten.

Aus dem TEPSIE-Bericht: Typen sozialer Innovation

In einem weiteren EU-Projekt, ITSSOIN, welche Rolle der dritte Sektor in diesem Kontext tatsächlich erfüllt und unter welchen Bedingungen er tatsächlich Hort sozialer Innovation sein kann. Die Forschenden prüften anhand von 120 Fallstudien inwiefern ihre Hypothesen und kamen zum Schluss, dass soziale Innovation zunimmt, wenn…


1. die Orientierung an sozialen Bedürfnissen hoch ist (JA)
2. pro-soziale Werte stark vorhanden sind (NEIN)
3. Organisationen offen sind (Extern JA, intern NEIN)
4. viel freiwilliges Engagement vorhanden ist (NEIN)
5. die lokale Verankerung gross ist (JA)
6. Organisationen jünger sind (NEIN)
7. Organisationen über ausgeprägte Erfahrung verfügen (NEIN)

Dies lasse auch die Schlussfolgerung zu, dass Organisationen, die nach aussen relativ offen sind, innovativer handeln können. Und, so Volker Then: Es komme nicht so sehr darauf an, wer man ist und was man hat – wichtig sei, wie man handelt.

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